Kirchenfinanzen: Am Samstag wurde der Haushaltsplan 1997 der Presse vorgestellt. Demnach sind die Kirchenfinanzen in Ordnung - der Vatikan will einen Überschuß von rund 640.000 Dollar erwirtschaften.
Geburtenplanung: Am Samstag hat der Papst erneut vor künstlichen Methoden der Geburtenplanung gewarnt. Sie führten nur zu moralischem Verfall und zu einem falschen Verständnis der Sexualität. In einem Schreiben an das Institut für Bioethik wies Johannes Paul auch die Vorstellung zurück, der Staat sei verpflichtet, Verhütungsmittel anzubieten.
UNICEF: Die Organisation hat den Vorwurf des Vatikans, sie unterstütze die Geburtenkontrolle, von sich gewiesen. Ein UNICEF-Sprecher räumte in Genf ein, daß ein Faltblatt der Organisation im Juni 1995 einen Hinweis auf empfängnisverhütende Mittel enthalte. Dieses Faltblatt sei für Mädchen oder Frauen bestimmt gewesen, die in oder bei Flüchtlingslagern vergewaltigt würden.
Beileid: Mit tiefer Trauer hat Papst Johannes Paul II. die Nachricht von der Ermordung der drei spanischen Missionare des Marianisten-Ordens in Zaire aufgenommen. Dies schrieb Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano in einem Telegramm an den Generaloberen der Marianisten. Man müsse den Tod der drei Ordensleute als christliches Glaubenszeugnis betrachten und den Dienst für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt fortsetzen.
Beitrag Zaire: Der Vatikan wird in diesem Jahr seinen Beitrag für das UNO-Flüchtlingskommissariat direkt an die eigenen kirchlichen Hilfsorganisationen in der Krisenregion Zaire übergeben. Wie der ständige Vertreter des Vatikans bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, am Freitag dazu erklärte, wolle der Apostolische Stuhl aufgrund der katastrophalen Situation vor Ort seine Gelder direkt den Priestern, Missionaren und kirchlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen.
Goldenes Priesterjubiläum: Am Donnerstag abend hat der Papst zusammen mit rund 1.500 Priestern seines Weihejahrgangs das goldene Priesterjubiläum gefeiert. Johannes Paul sagte in seiner Ansprache, auch wenn die physischen Kräfte nachließen, so seien sie doch alle gerufen, im Geiste weiter zu wachsen. Am Sonntag gingen die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst im Petersdom zuende. Gemeinsam mit dem Papst konzelebrierten über 100 Kardinäle und Bischöfe aus aller Welt sowie mehr als 1.500 Priester, die ebenfalls 1946 geweiht worden waren. Bei einem anschließenden Fest auf dem Petersplatz wurde Johannes Paul von mehr als 30.000 Menschen begeistert gefeiert.
Solidarnosc: Vor über 8.000 Vertretern der polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc" hat Papst Johannes Paul II. am Montag eine neue Arbeitskultur gefordert. Diese müsse auch die Arbeitslosigkeit und das Recht auf Leben berücksichtigen. Im heutigen Polen sei vor allem eine Solidarität des Geistes, der Herzen und der Hände nötig, um soziales Ungleichgewicht zu überwinden und eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen, sagte der Papst.
Militärischer Schutz: Humanitäre Hilfsaktionen für die Flüchtlinge in Zaire müssen unter militärischen Schutz gestellt werden. Das hat der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, am Freitag gefordert. "Die Staatengemeinschaft macht sich augenblicklich unterlassener Hilfeleistung schuldig, erklärte er und betonte, daß jetzt einzig und allein das Überleben der Flüchtlinge Vorrang haben müsse.
Gebet für den Frieden: Zu einem Kreuzzug des Gebetes für den Frieden hat die Bischofskonferenz Burundis aufgerufen. In einer Erklärung bezeichneten die Bischöfe des Landes die Bürgerkriegssituation als Herausforderung an das christliche Gewissen. 4 Wochen lang soll nun für den Frieden gebetet werden. Die Aktion begann am Sonntag.
Friedensgespräche: In Guatemala sollen die Verhandlungen zwischen Regierung und Guerillas wieder aufgenommen werden. Dazu haben sich am Donnerstag beide Seiten bereit erklärt. Die Gespräche waren Ende Oktober unterbrochen worden, als eine Rebellengruppe versucht hatte, mit einer Geisel einen inhaftierten Anführer freizupressen.
Bischöfe verhaftet: In Malaysia hat die Polizei am Freitag zwei ausländische Bischöfe verhaftet und danach ausgewiesen. Sie hatten an einer umstrittenen Konferenz über Ost-Timor teilgenommen, die in den frühen Morgenstunden von einer Jugendgruppe unterbrochen wurde. Außerdem wurden noch 40 weitere ausländische Teilnehmer der Beratungen von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen. Beobachter vermuten, daß die Jugendlichen einen Auftrag der Regierung hatten, die Konferenz zu stören, um die Beziehungen zum Nachbarland Indonesien nicht zu belasten. Einer der beiden Bischöfe, der Japaner Aloisius Soma, kritisierte die Regierung von Kuala-Lumpur.
Bedrohung der Indianer: Der brasilianische Indianermissionsrat CIMI hat auf die bedrohte Lage der Indianer des Landes hingewiesen. Mordanschläge, Invasionen, Krankheit und Hunger - das seien die Hauptbedrohungen, durch die die Indios vom Aussterben bedroht seien. (kna)
Verletzungen: Das UN-Menschenrechtskomitee in Genf hat am Donnerstag zahlreiche Menschenrechtsverletzungen durch die Serben im Kosovo beklagt. Dabei sei vor allem die albanische Minderheit allen nur möglichen Schikanen ausgesetzt. An erster Stelle stehen dabei Hausdurchsuchungen und ungerechtfertigte Verhaftungen.
Verschlechterung: Die Diözesankommission "Justizia et Pax" befürchtet, daß sich die Menschenrechtssituation in Hong Kong bald verschlechtern wird. Bereits jetzt mache sich der zunehmende Druck Pekings bemerkbar, erklärten Mitglieder der Kommission. So seien etwa die Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt worden. (kna)
Kirchenvolksbegehren: Die Initiatoren des österreichischen Kirchenvolksbegehrens sehen in der Reaktion der Bischöfe "erfreuliche" und "enttäuschende" Elemente. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung begrüßten sie die Ankündigung eines breiten Dialoges und den für 1998 geplanten Delegiertentag. Enttaäuschend sei die Haltung der Bischöfe zu Fragen der Sexualität. (kna)
Gewalt: Die Bischöfe von El Salvador haben die "entfesselte Gewalt" in ihrer Heimat verurteilt. Das geht aus einer Botschaft an das salvadorianische Volk hervor, die das Hilfswerk "Adveniat" am Freitag in Essen veröffentlicht hat. Massenmorde, Terror und Erpressung könnten nur beendet werden, wenn die Korruption wirksamer bekämpft und das Justizsystem verbessert werde, schreiben die Bischöfe. (kna)
Vorwürfe: Die Bischöfe Indiens haben der Regierung schwere Vorwürfe gemacht. Die Wirbelsturm-Tragödie hätte ein geringeres Ausmaß haben können, wenn es bessere Vorsorgemaßnahmen gegeben hätte. Warnungen 24 Stunden vor der Katastrophe seien von den Behörden unbeachtet geblieben, erklärten die Bischöfe am Montag in Neu Delhi. (kna)
Krankenversorgung: Der Caritasverband und das Kuratorium Altershilfe befürchten durch die von der Bundesregierung geplante dritte Stufe der Gesundheitsreform Gefahren für die Krankenversorgung älterer Menschen und chronisch erkrankter Jugendlicher. Die Krankenkassen würden sich verstärkt um junge und gut verdienende Menschen bemühen, diejenigen, die ständig Hilfe benötigten, seien dann als Mitglieder unattraktiv. (kna)
Staatsvertrag: Als letztes der neuen Bundesländer hat Brandenburg sein Verhältnis zu den evangelischen Kirchen in einem Staatsvertrag umfassend geregelt. Das Abkommen wurde am Freitag bei einem Festakt im protestantischen Brandenburger Dom unterzeichnet. Danach soll sich unter anderem die staatliche Unterstützung für die evangelischen Kirchen zunächst auf 22 Millionen Mark jährlich belaufen. - Die Verhandlungen Brandenburgs über ein entsprechendes Abkommen mit der katholischen Kirche sind noch nicht abgeschlossen. (kna)
Rechtschreibung: Die beiden großen Kirchen haben jetzt die Überarbeitung aller deutscher Bibeln gemäß der Rechtschreibreform angekündigt. Die Korrektur der Schulbibeln sei bereits angelaufen, müßten allerdings noch von der Bischofskonferenz genehmigt werden. Zum Schuljahresbeginn 1998 sollen die Ausgaben fertiggestellt sein. (kna)
Neuer Religionsführer: In Ägypten gibt es seit Montag einen neuen Religionsführer. Staatspräsident Hosni Mubarak berief den 59jährigen Mohamed Wasel zum Großmufti des Landes. Er stellt die wichtigste islamische Autorität Ägyptens dar.
Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt
werden.
Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil II. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" war; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.
Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Auftakt des FAO-Gipfels in Rom mit der Eröffnungsansprache des Papstes und UNO-Generalsekretär Boutros Ghali. - Der Papst zu demokratischen Bewegungen. Ansprache bei der Vollversammlung des Rates Justitia et Pax. - Der Haushalt des Vatikans für 1997 liegt vor. Eine Zusammenfassung. - Archäologie in Rom: Neueste Entdeckungen der letzten Woche.
Donnerstag: Kreuz des Südens: Leben junger Kirchen GEPLANTE BEITRÄGE: Aktuelles zur Lage in Zaire und Burundi.
Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Die Kirchen und das geplante Sozialwort der Kirchen, ein Gespräch. - Italien: Dritter Tag des FAO-Gipfels. Gespräche und Interviews. - Tag des verfolgten Schriftstellers, eine Zusammenfassung.
Samstag: Kommentar der Woche von Heinz-Albert Raem, Rom und Betrachtung zum Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.
Sonntag: Aktenzeichen Don Sturzo - Partei-Politiker, Stratege und Priester. Von Aldo Parmeggiani.
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utl.: Eisenstädter Diözesanbischof eröffnete Jubiläumsjahr zum Gedenken an den 1.600. Todestag des Heiligen Martin - Philosophin Gerl-Falkovitz unterstreicht bei Festakademie entscheidenden Beitrag des Christentums zur Freiheitsgeschichte= Eisenstadt, 11.11.96 (KAP) Mit einem von Kindern und Jugendlichen gestalteten Festgottesdienst im Eisenstädter Dom eröffnete der burgenländische Diözesanbischof Dr. Paul Iby am Martinsfest das Jubiläumsjahr zum Gedenken an den 1.600. Todestag des Heiligen Martin. Der burgenländische Landes- und Diözesanpatron, 316 im damals noch römischen Savaria (heute: Szombathely) geboren, war zunächst Soldat, ließ sich mit 18 taufen und wurde Mönch. Im Jahr 361 gründete er in Liguge das erste Kloster Galliens, 371 wurde er Bischof von Tours, 397 starb er auf einer Seelsorgereise. Die Verehrung Martins breitete sich binnen weniger Jahrzehnte im ganzen spätantiken Europa aus. Bischof Iby ging in seiner Predigt auf die europäische Bedeutung Martins ein und unterstrich zugleich, man dürfe den großen Bischof und Heiligen aus dem pannonischen Raum nicht nur feiern, sondern müsse vielmehr dessen vorbildliches Wirken in zeitgemässe konkrete Taten und Werke umsetzen. Der Eisenstädter Diözesanbischof betonte, daß Martin - dessen Gestalt sich vor allem durch das Teilen seines Mantels mit dem Bettler eingeprägt hat - zum Teilen bereit gewesen sei, "bis es weh tut". Diese Botschaft brauche gerade der moderne Mensch, der vom Zeitgeist "beherrscht und gleichsam erpreßt" würde, die hektische Jagd nach dem schnellen Glück mitzumachen. Alles, was diesem Prinzip zuwiderlaufe, werde heute "abgelehnt oder mit Protesten eingedeckt". Wörtlich meinte Iby vor den Gläubigen, unter denen zahlreiche Politiker aus Bund und Land waren: "Wie wehleidige Kinder wehren wir uns gegen Maßnahmen, die unseren Lebensstandard oder unsere liebgewordenen Gewohnheiten einschränken wollen." Diese Reaktion stelle sich ein, selbst wenn man einsehe, daß Sparmaßnahmen oder der Verzicht auf umweltgefährdende Stoffe oder Verfahren notwendig sind. Entschieden wandte sich Iby auch gegen lieblose Kritik und Polarisierung. Als konkretes Beispiel nannte der Bischof die internationale Medienkampagne gegen Mutter Teresa und ihre Schwestern. zwt.: Menschenrechte "urchristliche Melodie" Den entscheidenden Beitrag des Christentums zur Freiheitsgeschichte unterstrich die Dresdner Philosophin Hanna- Barbara Gerl-Falkovitz bei der anschließenden Festakademie zum Martinstag. Die zentrale Erkenntnis habe der Apostel Paulus mit dem Satz formuliert: "Es ist nicht Jude, nicht Grieche, nicht Sklave, nicht Freier, nicht Mann, nicht Frau, alle seid ihr eins in Christus". Wenn man über diese Botschaft nachdenke, verstehe man, daß auch die Erklärung der Menschenrechte nur ein "Neusingen" dieser urchristlichen Melodie war. Wörtlich meinte die Philosophin: "Diese Melodie ist das Konzept der freien Person, unabhängig von Geschlecht, Bildung, Rang und Würde, Volk und Rasse, Können und Nichtkönnen". Dieses Faktum habe das Christentum vom Start weg über die spätantiken Religionen hinauskatapultiert, habe es als Sprengsatz in die Geschichte eingebaut. Der Schöpfungsbericht und die Worte Jesu hätten die Würde jeder Person grundgelegt, betonte die Philosophin. Dieser mühsam gegen den wechselnden Zeitgeist festgehaltene Gedanke laufe seither als Zündschnur durch die christliche Geschichte mit - auch gegen sie selbst. In der mühevollen, sich langsam ausformenden Dynamik des jüdisch-christlichen Ansatzes liege der eigentliche Begriff der Freiheit. zwt.: Die Gefahr der "Null-Botschaft" Pointiert nahm Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zu modischen Zeiterscheinungen Stellung. Als Grundversuchung des bloß autonomen Menschen bezeichnete die in Dresden lehrende Philosophin den Trend zur "Selbstanbetung und Selbstheilung". Dieses Lebensgefühl des Single-Zeitalters sei nur schwer aufzubrechen. Der "Single", der nach außen "stark und ich- betont" erscheine, unternehme in Wirklichkeit so etwas wie "hilflose Selbsterlösung": "Sofern es hier eine Suche nach dem Heiligen gibt, ist es die Suche nach etwas, was sich in 'heilenden Edelsteinen' oder Dinkelmehl kaufen läßt - im esoterischen Mißbrauch beispielsweise der großen Heiligen Hildegard von Bingen". Aber "Erlösung durch Kaufen und Essen" halte nicht lange. Vor allem in Mitteleuropa meine man heute, am "Krankenbett des Christentums" zu stehen, sagte Gerl-Falkovitz. Im deutschsprachigen Raum dächten viele, sie hätten den Klerus - "vor allem den hochrangigen in Rom" - als Verursacher der Krankheit identifiziert. So träten nun Laien als "Ärzte" auf und verordneten das Erscheinungsbild einer "anderen Kirche". Dabei sei aber zu bedenken, daß beim Umschreiben einer angeblichen Drohbotschaft zur "Frohbotschaft" am Ende eine "Null- Botschaft" herauskommen könne. Christlicher Glaube sei ohne Widerstand gegen den Zeitgeist nicht vorstellbar, betonte die Philosophin, die sich zugleich deutlich gegen jede kirchliche Zukunftsangst aussprach. Die Bewegung zwischen Gott und Mensch gehe von Gott aus, nicht umgekehrt. Gerl-Falkovitz: "Was in einem kirchlichen oder überhaupt religiösen Leben immer wieder zu trainieren ist, ist die Offenheit auf das Geheimnis, daß Gott uns ergreift und nicht umgekehrt". Die Kirche müsse aber auch ihre Chance ergreifen, in der "Bändigung und Einordnung der Vitalität" als Kontrastgesellschaft zu erscheinen. Das alte Wort Askese treffe das nicht genau, unterstrich die Dresdner Philosophin: zum Weglassen gehöre vor allem ein Gewinn - an Freiheit und Profil. Statt nur von Verzicht zu sprechen, sollte die Kirche daher stärker vom Gewinn Auskunft geben. Ein "schönes Übungsfeld" dafür wäre nach Ansicht von Gerl- Falkovitz die Rede von den "evangelischen Räten" Armut, Keuschheit und Gehorsam. Von ihnen sollte weniger "mit zusammengebissenen Zähnen" geredet werden, sondern vor dem Hintergrund des erhofften Gewinns: "Reichtum, Liebe, Herr und Herrin über sich selbst sein".