Nachrichten vom Heiligen Stuhl


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3. Oktober 1996


KATHPRESS - Donnerstag 3. Oktober 1996 - Nachrichten

Wiener Generalvikar Schüller: "Ringen um Wahrheit wird manchmal medial ausgeschlachtet"

Utl: Anspruch, Meinungsunterschiede in der Kirche nach 
außen hin transparent zu machen, schafft auch Probleme - 
Dennoch ist größere Glaubwürdigkeit wichtiger = 

Wien, 3.10.96 (KAP) Der Wiener Generalvikar Msgr. Helmut 
Schüller hat in einem Interview mit der katholischen 
Zeitschrift "multimedia" auf die Probleme hingewiesen, die nach 
außen getragene Meinungsunterschiede in der Kirche manchmal 
mit sich bringen. Gerade die großen Medien hätten "eine 
Riesenfreude an der Uneinheitlichkeit". Der bei der Gösinger 
Studientagung war im Rahmen der "Wallfahrt der Vielfalt" 
formulierte Anspruch, auch das interne Ringen um Wahrheit zu 
vermitteln, müsse zwar Maßstab sein, sei in der Praxis 
aber oft schwer einzulösen. Schüller leitete die 
Gösinger Arbeitsgruppe zu Medienfragen, die den 
entsprechenden Text erarbeitete. Uneinheitlichkeit und das Ringen 
um Wahheit würden "manchmal nicht wohlwollend transportiert, 
sondern medial ausgeschlachtet", so der Generalvikar. Dennoch sei 
"die größere Glaubwürdigkeit sicher damit zu 
erringen, in manchen Fragen der Öffentlichkeit mitzuteilen, 
daß man nicht einer Meinung ist". Das gelte nicht nur 
für die Ebene der Bischofskonferenz. 

   Das Beachten der Eigengesetzlichkeiten der Medien bedeutet nach 
den Worten Schüllers nicht, auf diese Gesetze "eins zu eins" 
einzusteigen. Das würde zu einer "totalen Filterung" 
kirchlicher Äußerungen führen. Es gehe letztlich 
um die Frage: Wie läßt sich ein "eigenständiger, 
selbstbewußter Umgang der Kirche mit den Medien 
fördern? 

Dazu sei es notwendig, daß die Strukturen der kirchlichen 
Öffentlichkeitsarbeit "auf ihre Angemessenheit angesichts 
heutiger Bedürfnisse hin kritisch überprüft" 
werden. Auf der Ebene der gesamtösterreichischen 
Zusammenarbeit müsse "etwas mehr neue Klarheit" geschaffen 
werden. Angesprochen auf die Neustrukturierung der 
Öffentlichkeitsarbeit in den Diözesen Wien und Feldkirch 
beklagte der Generalvikar "die hochgradige bis hysterische 
Gekränktheit gegenüber denen, die etwas Neues 
versuchen". Die Wiener Erzdiözese werde sich an 
Gesprächen, die auf Österreichebene fällig seien, 
kreativ und aktiv beteiligen. Schüller wörtlich: "Ich 
glaube, wir alle müssen bereit sein, ohne zu rasche 
Gekränktheit über alles zu reden, auch über Dinge, 
die teilweise schon sehr lange existieren und trotzdem hinterfragt 
werden müssen."


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