Guantánamo-Gefangener zieht ursprüngliches Geständnis zurück

Unter Folter zustande gekommen

Neue Zuercher Zeitung

8 August 2004

Ein im amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba festgenommener Tunesier hat ein früheres Geständnis zurückgezogen. Er gab an, es basiere auf Misshandlungen und «Folter».

In Afghanistan gefoltert

Nach seiner Gefangennahme in Afghanistan sei er misshandelt worden, sagte der 35-Jährige nach Angaben eines amerikanischen Offiziers vom Samstag. Er sei zwei Monate in Dunkelhaft gehalten worden und habe kaum etwas zu Trinken bekommen.

Wegen der Misshandlungen habe er gegenüber den amerikanischen Vernehmungsbeamten schliesslich ausgesagt, freiwillig in ein Trainingslager in Afghanistan gegangen zu sein und dort eine Ausbildung an verschiedenen Waffen erhalten zu haben.

Alle Gefangenen werden angehört

Mit Anhörungen vor eigens gebildeten Sondertribunalen prüft die amerikanische Armee derzeit den Status der 585 Gefangenen im Lager von Guantánamo. Das Verfahren soll den Inhaftierten erlauben, ihre Einstufung als «feindliche Kämpfer» anzufechten.

Das Pentagon hatte die Einrichtung der Tribunale Anfang Juli beschlossen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA den Gefangenen von Guantánamo die Anrufung von US-Gerichten gestattet hatte. Dies um die Rechtmässigkeit ihrer Inhaftierung überprüfen zu lassen.